Drei Frühlingstage am Rhein – Tag 1
Durch das Mittelrheintal von Koblenz nach Rüdesheim
Guten Morgen Sonnenschein. Nach einer sehr entspannten Nacht auf dem Campingplatz in Koblenz, kitzeln schon am frühen Morgen die ersten Sonnenstrahlen meine Nase. Na, das wird wohl ein richtig schöner Tag werden. Wieder ohne Küche unterwegs, packe ich zügig meine sieben Sachen in die Taschen und schon rollen die Räder zur Moselbrücke.

Am Touristenort dem Deutschen Eck, reihe ich mich kurz unter die Touristenscharen, um ein Touristenfoto zu machen. Dann geht es weiter in die Innenstadt von Koblenz zum Frühstücken. Einen Kaffee, einen Croissant und ein Käsebrötchen später, verlasse ich an der Promenade entlang Koblenz. Der Rheinradweg verläuft jetzt direkt am Fluss. Es dauert nicht lange und die erste Burg erscheint oben am Hang. Die Stolzenfels eröffnet den Reigen der vielen Burgen, die ich bis nach Rüdesheim noch sichten werden. Marksburg, Rheinfels, Pfalzgrafenstein, Katz, Maus und noch viele andere alte, wehrhafte Gemäuer, warten in diesem Abschnitt des Rheins auf geschichtsinteressierte Besucher.
In der Stadtmauer rechts von mir, macht mich ein schmaler Durchgang neugierig. Ich teste schnell die Bremsen meines neuen Fahrrads und komme locker und schnell zum Stehen. Okay, die moderne Bremstechnik ist der in die Jahre gekommen Technik meines alten Rades um Welten überlegen. Noch während ich mich über die tollen Bremsen freue, werde ich von einem anderen Radfahrer angesprochen. Er fragt mich, ob er mir helfen könne.
Irritiert von der Freundlichkeit der Menschen
„Wenn Du mir sagen kannst ob es sich rentiert hier in den Ort hineinzufahren“: antworte ich ihm und bin dabei auf ein Neues von der Freundlichkeit der Menschen hier irritiert. Schon am Vortag, ob am Campingplatz oder beim Einkaufen, ist mir aufgefallen wie freundlich und aufmerksam die Menschen hier waren.
„Natürlich lohnt es sich die Altstadt von Rhens anzuschauen“: ist die sehr überzeugte Antwort.
Noch kurz erzählt er mir was ich dort alles anschauen kann, dann wendet er sich wieder seiner Radgruppe zu und erzählt auf Englisch etwas zur Geschichte der Stadt.

Ich drehe also meinen Lenker nach rechts und fahre durch den Torbogen in die Altstadt von Rhens. Lange brauche ich nicht für den Rundgang, aber die liebevoll herausgeputzten Fachwerkhäuser der Altstadt war den Abstecher auf jeden Fall wert. Am Rhenser Mineralbrunnen verschwindet die erste Jacke in der Tasche und, um nicht zu verdursten, fülle ich meine Flaschen mit dem frischen Wasser aus dem Mineralwasserbrunnen.
Stolze Burg und süße Kirschen
Weiter geht’s auf dem Rheinradweg. Auf der anderen Seite thront die Marksburg oben auf den Felsen. Die Burg ist stolze 800 Jahre alt und wurde in dieser Zeit nie zerstört. Unten im Tal, in der Rheinschleife, liegt Filsen. Die Obstgärten, für die der Ort beaknnt ist, kann man von hier nicht sehen. Wer aber zur richtigen Jahreszeit zu Fuß auf dem Rheinsteig unterwegs ist, kann hier vielleicht ein paar süße Kirschen mopsen.

In Boppard ist es dann Zeit für eine Kaffeepause. Irgendwie ist der Ort zum Teil noch in den 80ern hängen geblieben. Zumindest strahlen die Geschäfte und die Gastronomie am den malerischen Marktplatz das aus.

Am Café am Marktplatz bestelle ich mir einen Croissant und eine Kaffee und schaue und auch höre den Menschen hinterher. Verdammt bunt hier. Irgendwo zwischen Niederländisch, Englisch, Italienisch und Sprachen die sich mir gar nicht erschließen, ist so ziemlich alles zu hören. Genauso vielfältig, wie sich die Menschen hier in Wander- oder Radklamotte oder im schicken Ausgehdress über den Platz bewegen.
Horden von lauten und noch lauteren Motorrädern
Nach der Stärkung rollen die Räder wieder in Richtung Süden aus Boppard heraus. Auf der anderen Seite schmiegt sich Kamp Bornhofen an die Steilen Rheinhänge. Unterhalb der feindlichen Brüder – Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein – haben die Franziskaner ihr Kloster an die Hänge des Rheins gebaut.

Von nun an führt der Radweg überwiegend direkt an der Bundesstraße entlang. Leider ist das auch deutlich hörbar. Besonders an einem so schönen Feiertag wie heute. Immer wieder rauschen Horden von lauten und noch lauteren Motorrädern an mir vorbei oder auch entgegen. Und es scheint, leider, zum guten Ton zu gehören, lieber einen kleineren Gang einzulegen, damit das Getöse möglichst noch ein bisschen lauter ist als notwendig.
Je enger das Tal, desto stärker der Wind
Auch etwas lauter als notwendig, werden nach und nach die Windgeräusche des Gegenwinds der sich mir entgegenstemmt. Das enge Rheintal scheint dabei noch als Verstärker zu dienen. Und ich dachte, dass ich dem norddeutschen Wind entflohen bin. Naja. Irgendwie ja doch schon. Der Wind hier ist deutlich wärmer.

St. Goar ist voll, hektisch, laut und, sagen wir mal freundlich, etwas aus der Zeit gefallen. Die Hauptattraktion liegt noch eine guten Kilometer Rhein aufwärts, der Loreleyfelsen. Genau genommen sieht der Felsen von hier wie ein Felsen aus und vermutlich wäre der Felsen, ohne die Sage und das Lied, auch nur ein Felsen. Wirklich interessant ist es oben auf dem Loreley-Plateau. Aber dort fahre ich heute nicht hin.
Der Radweg bleibt, aufgrund der Talenge, weiter an der Straße. Da macht es nochmal mehr Sinn, den Radweg zu verlassen und durch Oberwesel zu fahren. Gleich danach, geht es auch schon wieder zurück an die Straße und weiter gegen den immer mehr auffrischend Wind.
Pause in Bäckäräätsch
Da die Mittagszeit schon deutlich überschritten ist, meldet sich mein Magen bei mir und fordert seine Kalorien ein. Irgendjemand muss ja die Gegenwindenergie im wolfgangschen Kraftwerk erzeugen. Wie schön, dass der kleine Park am Rheinufer in Bacharach so einladend ausschaut.

Während ich mich mit Dösen im Schatten und Essen befasse, schwärmt auf der Bank gegenüber, ein Mann in einem sehr breiten englischen Dialekt, über die Altstadt von Bacharach:
„Szi Ohld Taun off Bäckäräätsch iss truhli so woanderfuul.”
Okay, denke ich mir, wenn Bäckäräätsch so woanderfuull ist, dann schaue ich es mir auch noch an. Und nach einer kurzen Besichtigung, muss ich ihm Recht geben: „Bäckäräätsch is weärry woanderfuul!!“
Mein Körper signalisiert mir ein ausgesprochen großes Ruhebedürfnis
Nach Bacharach verläuft der Radweg nun meist zwischen dem Rhein und der Bahnlinie. Damit ist die nervige Straße auch schon wieder fast vergessen. In den Buhnen tummeln sich immer wieder Familien, Angler und Badelustige am Strand. Ich würde ja gerne mittummeln, aber mein Körper signalisiert mir ein ausgesprochen großes Ruhebedürfnis. Sonne und Gegenwind haben ihre Spuren hinterlassen.

Am Campingplatz in Trechtingshausen stoppe ich mein Rad und frage nach einem kleinen Plätzchen für mein Zelt, meinem Rad und mich. Dem mitfühlendem Gesicht gegenüber kann schon entnehmen, dass das nichts wird. Und schon kommt auch schon die Bestätigung aus seinem Mund hinterher. Okay, dann fahre ich noch weiter. Um nicht noch eine Absage einzufangen, rufe ich sicherheitshalber in Rüdesheim auf dem Campingplatz an. Die Antwort ist höchst erfreulich. Man reserviert mir ein Plätzchen. Auch mein Gegenüber ist sichtlich erfreut darüber, dass ich eine Alternative gefunden habe und verspricht mir, dass es nicht mehr weit ist bis Rüdesheim. Dann verabschieden wir uns mit den besten gegenseitigen Wünschen.
Seitenwechsel und Stau vor dem Ziel
Keine Ahnung ob es in Bingen etwas zu sehen gibt, ich fahre schnurstracks in Richtung Fähre. Der Fahrplan hat noch eine kurze Wartezeit eingeplant. Eine gute Gelegenheit, einmal zur Wasserflasche zu greifen. Mit dem Griff zur Flasche wird mir dann spontan klar, warum sich mein Kopf wie Dörrobst anfühlt. Außer zwei Tassen Kaffee und einer knappen Flasche Wasser hat mein Körper bisher nur Flüssigkeit verloren und dabei habe ich das gute Rhenser Mineralwasser in den Flaschen.
Die Fähre spuckt eine Ladung Autos und Radfahrer aus. Dann füllen wir den freigewordenen Raum wieder auf und schon geht’s los auf die andere Seite des Rheins. Falls ich es noch nicht verraten habe, ich liebe Überfahrten auf Flussfähren. Ich bekomme dann immer ein Gefühl von ganz weit weg.

Das mit dem weit weg wird schwierig, nachdem wir die Fähre bei Rüdesheim wieder verlassen haben. Ein Auto staut sich an das andere. Dazwischen immer ein paar Motorräder, die die Lärmkulisse gerne etwas oben halten. Besser im Stehen Lärm machen, als gar nicht aufzufallen, scheint da das Motto zu sein. Wir Radfahrer schlängeln uns irgendwie durch die freien Lücken nach vorne und an der Promenade quetschen sich die Fußgänger zwischen den Gastrotischen durch. Was bitte zieht die Menschen hierher? Ich will hier nur noch raus.

Wie schön, dass nach rechts dann endlich wieder ein Radweg abzweigt und dann fern vom Chaos am Rheinufer verläuft. So sind die letzten Kilometer zum Campingplatz schnell geschafft und nach der Anmeldung gibt es erst mal ein schön gekühltes Radler im Schatten.
Nachdem der Staub des Tages im Abfluss der Dusche verschwunden ist, die Kalorien- und Flüssigkeitsspeicher wieder gefühlt sind, gönne ich mir noch einen Spaziergang entlang des Rheins. Hier wird flaniert, gegrillt, mit den Kindern gespielt, ein Buch gelesen oder einfach nur die sommerlichen Vibes genossen. So geht ein wunderbarer Tag entspannt zu ende.































