Auf dem Burgensteig – Von Schriesheim nach Heidelberg
Well Done. Es ist vollbracht! Die letzte Etappe des Burgensteigs liegt hinter mir.
In Schriesheim angekommen, überlege ich noch kurz, ob ich noch einmal in den Bus umsteige und bis zum Ende meiner letzten Etappe zum Schwimmbad fahre. Oder ob ich, nach einem gemütlichen Kaffee vor dem Start, einfach direkt aus der Schriesheimer Altstadt loslaufe. Knapp fünf Kilometer und etwa 200 Höhenmeter kämen dazu, wenn ich am Schwimmbad starten würde. Ein Blick auf die zu erwartenden Temperaturen für heute überzeugt mich schnell auf die zusätzlichen Höhen- und Kilometer zu verzichten.

Nach dem Startkaffee geht es dann auch recht schnell kräftig bergauf aus Schreiheim heraus und hinein in den Wald. Es dauert nicht lange, da stehe ich auch schon vor der ersten Burg. Die Strahlenburg gibt sich dem Besucher allerdings verschlossen; so bleibt mir nur der Blick auf das Eingangstor. Nach dem obligatorischen „Beweisfoto“ geht es daher gleich weiter. Schon bald erreiche ich die nächste Burg. Von der Ruine der Schauenburg ist zwar nicht mehr viel erhalten, dafür lässt sich das Wenige vollständig besichtigen – inklusive eines fantastischen Ausblicks über das Rheintal.
Ich weiß nicht, ob ihr das auch kennt: Während ich hier auf der Burg stehe und über das weite Tal schaue, frage ich mich wie es wohl wäre, jetzt bis auf die andere Seite zu laufen. Nicht, dass ich die Region nicht kennen würde – ich bin dort aufgewachsen und habe viele Jahre meines Lebens dort verbracht. Doch nach den vielen Kilometern, die ich bereits zu Fuß zurückgelegt habe, ertappe ich mich immer öfter bei dem Gefühl: Man ist eigentlich nur dort wirklich gewesen, wo man auch zu Fuß war.
Heißer Föhn statt frisches Lüftchen
Nun aber genug der Philosophie. Es liegen noch ein paar Kilometer auf dem Burgensteig vor mir. Weiter geht es, meist auf Forstwegen und zum Glück fast immer durch den Wald. Die Temperaturen sind selbst im Schatten richtig knackig. Wenn mal ein Lüftchen aus dem Tal hochweht, wirkt es eher wie ein heißer Föhn als eine frische Brise. So sieht auch der Wald aus: Es ist staubtrocken, und das Grün hängt schlaff an den Pflanzen. Selbst der Zollstockbrunnen am Wegesrand hat seine Wasserversorgung eingestellt. Auch der Brunnen am Parkplatz „Drei Eichen“ zeigt dem Wanderer die kalte, beziehungsweise trockene Schulter. Wie schade! Neben der Pause, die ich hier für mein Vesper einlege, hätte eine Abkühlung jetzt richtig gutgetan.

Ein Grenzstein mit einem weißen Handschuh signalisiert mir schließlich, dass Heidelberg nicht mehr weit sein kann. Diese historischen Kleindenkmale im Norden Heidelbergs wurden einst zur Markierung von Gemarkungs- und Waldgrenzen gesetzt und kennzeichneten das Gebiet des heutigen Stadtteils Handschuhsheim.

Noch mehr Aufmerksamkeit, als der Handschuh auf dem Stein, zieht jedoch die Heidelberger Thingstätte auf dem Heiligenberg auf sich. Die Tribünen und umliegenden Anlagen sehen aus, als wären sie von den Nationalsozialisten erbaut worden. Und tatsächlich, nach einer kurzen Recherche bestätigt Google meine Vermutung. Nach dem Vorbild antiker griechischer Theater errichteten Heidelberger Studenten und der Reichsarbeitsdienst hier von 1934 bis 1935 eine Freilichtbühne für Propagandaveranstaltungen. Meine Aufmerksamkeit war von diesem monumentalen Bauwerk so gefesselt, dass ich die gegenüberliegenden Ruinen des Klosters glatt links liegen gelassen habe.
Ein kulinarischer Fauxpas in der Wandergeschichte
Insgesamt bot der heutige Wandertag wenig Abwechslung, und nur wenige Bänke luden bislang zu einer kurzen Rast ein. Schluck für Schluck ist mein Wasservorrat in mir verschwunden – und gefühlt sofort wieder durch alle Poren auf der Haut ausgetreten. Da kommt mir die Waldschänke kurz vor Heidelberg wie gerufen. Ein alkoholfreies Weizen und ein Apfelstrudel sollen es sein. Das Weizen hält, was es verspricht. Der Apfelstrudel hingegen geht als kulinarische Fauxpas in die Wandergeschichte ein. Der Teig fühlt sich an wie schlabberiges Kraftpapier und die Füllung ist klebrig-süß, mit einer nur sehr dezenten Note von Apfel.

Na ja, wenigstens das Weizen brachte die erhoffte Erfrischung. Weiter geht’s Richtung Heidelberg! Je näher ich der Stadt am Neckar komme, desto rarer wird der Schatten. Tropfen für Tropfen verdunstet das Weizen wieder auf meiner Haut. Auf der Neckarbrücke knipse ich noch das obligatorische Bild vom Schloss, bevor ich in den Gassen der Altstadt untertauche.

Und hier trifft mich der Schlag: Was für ein Trubel! Nach Sightseeing ist mir – so verstaubt und klebrig, wie ich bin – ohnehin nicht zumute. Also laufe ich zielstrebig weiter zum Bahnhof. Diese Strecke habe ich allerdings völlig unterschätzt: Kaum Schatten, und in den Straßenschluchten steht die Hitze. Für die Schönheit der Altstadt hat der Kopf keine Kapazität mehr. Restlos ausgedörrt erreiche ich endlich den Bahnhof. Dass die Flasche Wasser hier völlig überteuert ist, ist mir völlig egal. Hauptsache kalt, hauptsache nass.
Mein Fazit zum Burgensteig
Die Highlights lagen eindeutig am Anfang des Wanderwegs. Verwöhnt von den ersten Etappen, wurden die Wege gen Süden leider immer etwas eintöniger. Insgesamt war der Wanderweg aber dennoch wunderschön. Dank der hervorragenden Anbindung an den ÖPNV lässt sich die Route ideal von einem zentralen Ort aus etappenweise erwandern, sodass ein leichter Tagesrucksack völlig ausreicht. Mein Geheimtipp für das nächste Mal: Ich würde den Weg umgekehrt, also von Süden nach Norden laufen. So hebt man sich das Beste für den Schluss auf und der Burgensteig wird mit jeder Etappe ein Stückchen schöner.


































