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Sommerradreise – Von Lüneburg nach Lohr am Main

Tag 1 – Von Lüneburg nach Bad Bodenteich

Nach gut drei Jahren gesundheitsbedingter Radreisepause, hängen zum ersten Mal wieder die gefüllten Packtaschen am Rad. Wie zur Bestätigung, dass alles gut wird, empfangen mich in Lüneburg Sonnenschein und lauschig warmes Wetter. Bevor ich gleich in die Pedale trete, genieße ich diesen besonderen Moment mit einem Milchkaffee und einem Franzbrötchen im Schatten.

Ein kleines bisschen sind die ersten Tage meiner Radreise auch eine Reise in meine Vergangenheit. 2011 bin ich bis nach Bad Harzburg auf fast derselben Strecke in Richtung Süden unterwegs gewesen. Ich bin gespannt, wie es sich heute anfühlt, dort wieder unterwegs zu sein.

Altstadt von Lüneburg

Nach dem Kaffee befestige ich das Smartphone am Lenker und beauftrage Komoot, mich aus Lüneburg hinaus in Richtung Süden zu führen. Ich wäre nicht ich, wenn ich der freundlichen Stimme aus dem Off nicht widersprechen würde. Schon nach der zweiten Kreuzung ändere ich die Planung und mache noch einen kurzen Abstecher durch die Innenstadt. Auch wenn ich hier schon oft gewesen bin – sehenswert bleibt es allemal.

Von einem Rundlingsdorf und einem Bären

Nach dem ersten Überqueren der Ilmenau folge ich dann aber brav den Anweisungen am Lenker. Gefühlt fliegt mein Rad über den schattigen Waldweg, mal leicht bergan und dann wieder ein Stück hinunter. Nach gut einer Stunde halte ich zur ersten kurzen Pause am Ortseingang von Hohenbostel an. Eine Infotafel erklärt mir, dass Hohenbostel bis 1822 ein reines Rundlingsdorf war. Auch heute lässt sich noch ein Hauch dieser ursprünglichen Form erkennen. Erst im 19. und 20. Jahrhundert hat sich diese strenge Dorfform immer mehr aufgelöst. Eine interessante Info, aber viel wichtiger für mich ist die Ruhe hier in der Region. In der Heide anzukommen, ist für mich immer wieder wie ein Tritt auf die Bremse. Und ich bin ohnehin nicht der Schnellste.

Die Ilmenau an der Wassermühle Medingen

Pünktlich zur Mittagszeit erreiche ich hinter Bienenbüttel eine wunderbar am Waldrand gelegene Bank. „Für eine Pause“, steht auch auf dem handgemalten Schild am Zaun. Ich folge der Einladung und genieße mein mitgebrachtes Brot und ein Stück Schokolade. Ganz in der Nähe der schönen Bank steht noch ein Regal mit kleinen, handgemachten Glücksbringern. Zwei Euro und fünfzig Cent verschwinden in der Kasse, und ein kleiner, selbstgestrickter Bär darf von nun an in der Lenkertasche wohnen.

Der nächste Stopp folgt in der beschaulichen Kurstadt Bad Bevensen. Meine ganz persönliche Kuranwendung besteht aus Kaffee und Kuchen im Biomarkt. So, jetzt sind aber genug Kalorien vertilgt worden. So viel Energie muss nun dringend in Bewegung umgesetzt werden! Ich verlasse die kleine Stadt und fahre wieder raus aufs Land.

Bad Bevensen

An der Ilmenau entlang fahre ich unter dem Elbe-Seitenkanal hindurch nach Jasdorf. Kurz danach geht es wieder unter dem Kanal hindurch und zwei Kilometer später darüber hinweg. Bin ich bei so vielen Kanalkreuzungen auf so kurzer Strecke jetzt eigentlich ein Kreuzfahrer? Und wenn, dann wäre ich der Einzige hier. Nicht ein einziges Schiff lässt sich auf dem künstlichen Gewässer blicken. So geht das eine Weile, und schwupps – habe ich den Abzweig zur Brücke übersehen. Wie schön, jetzt habe ich wenigstens ein Stück weit Rückenwind.

Keine Menschenseele am Kanal

Auch wenn Uelzen eine hübsche Innenstadt haben soll, bleibe ich meiner geplanten Route treu und fahre daran vorbei. Die Landschaft zeigt sich nun deutlich pragmatischer als bisher: ein paar Felder, ein paar Dörfer und immer ein leichter Gegenwind. Dann baut sich vor mir, mitten im Nirgendwo, eine Wand auf. Satte 23 Meter Höhenunterschied müssen die Schiffe hier überwinden. So hoch ragt auch der Erdwall des Kanals aus der Landschaft heraus. Während die Schiffe sanft über eine Schleuse rauf und runter gebracht werden, muss der Radfahrer gefühlt 12 % Steigung überwinden, um ins nächste Level zu kommen.

Dafür habe ich von oben einen wunderschönen Blick weit über das Land. Auf den nächsten sechs Kilometern auf dem Kanalweg treffe ich keine Menschenseele. Radeln kann so schön sein! Jetzt noch fünfmal abbiegen, und der Campingplatz bei Bad Bodenteich ist erreicht.

Radfahren am Elbe-Seitenkanal

Auf der Zeltwiese ist schon jemand damit beschäftigt, das eigene Stoffhäuschen aufzubauen. Wir begrüßen uns, und natürlich wollen wir die üblichen Fragen voneinander wissen: Woher kommst du und wohin willst du? Aber irgendwo im Hinterkopf sucht mein Gehirn nach Daten. Denn die Person kommt mir irgendwie bekannt vor. Nachdem ich die Kamera bemerke, die auf dem Tisch steht, klingelt es zwischen den Ohren. Sie macht YouTube-Videos und ihr Kanal heißt „Unterwegs mit Cathy“.

Mit dem nächsten Klick öffnest Du Unterwegs mit Cathy

Ich darf mir bei Cathy noch ein bisschen Strom für die Akkus mopsen. Im Gegenzug teile ich meine Schokoladenreste mit ihr. Deal! Dann wird es Zeit, die Augen zuzumachen.

RT In den Süden Von Lüneburg nach Lohr Main (1)
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